Aus dem Zeitungsbericht im Wiesbadener Kurier 2008:

Immer wie ein kleiner Italien-Urlaub

Kunden schätzen die familiäre Atmosphäre des Feinkostladens der Familie Forgione. Sie geben zuhauf auf, die alteingesessenen Läden. Der Kurier stellt in einer Serie Geschäfte vor, die sich auf dem konkurrenzreichen Markt mit Kreativität und Service gegen die großen Filialisten behaupten. Heute der italienische Feinkostladen Forgione am Bismarckring.

„Heute müsste es eigentlich alles umsonst geben“, sagt der Stammkunde beim Eintreten. Denn am Vorabend haben die Azzurri die deutsche Fußball-Nationalmannschaft haushoch geschlagen. Und schon beginnt ein freundliches Geplänkel zwischen dem Juniorchef Vincenzo Forgione und anderen Kunden seines Feinkostladens. Wer dort einkauft, schätzt neben dem hochwertigen Angebot die familiäre Atmosphäre. Und seit man sich Espresso, Cappuccino und Latte macchiato schmecken lassen kann, ist es noch einfacher geworden, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Vor einem Jahr beschloss die Familie Forgione, ihren Laden, den sie seit 1989 am Bismarckring 11 betreibt, zu modernisieren. Gleichzeitig übergaben die Eltern Guiseppe (62) und Rosaria (52) das Geschäft an Sohn Vincenzo (29), der schon mit zwölf Jahren im ersten Laden der Familie in Nordenstadt fleißig mitgeholfen hatte. Dort hatte man auch begonnen, nach und nach selbst eingelegte Antipasti zu verkaufen. Die sind auch heute ein Renner: In der Vitrine liegen Sardellen, Oliven, Artischocken und andere Köstlichkeiten. Rosaria, von ihren Kunden liebevoll Rosa genannt, legt die pikanten Leckereien tagtäglich nach alten Rezepturen ihrer Schweigermutter aus Kalabrien ein. Favorit sind die getrockneten Tomaten – und , das betont Sohn Vincenzo, die werden in Italien in der Sonne getrocknet und nicht im Ofen, wie bei der industriellen Produktion. Der Junior, der sich übrigens auch im Ausländerbeirat der Stadt engagiert, legt größten Wert auf hohe Qualität. Die Konkurrenz der neuen italienischen Supermärkte hat er zwar anfangs gespürt, aber festgestellt, dass viele seiner Kunden zurückgekehrt sind – auch wenn es bei ihm ein bisschen teurer ist: Sie wissen zu schätzen, dass seine Waren direkt aus kleinen Betrieben in Italien kommen. Und schwelgen, wenn sie zwischen duftenden Schinken, allein 15 Sorten Salami, dem großen Käseangebot oder der Pasta auswählen können.

Forgione lädt seine Kunden immer mal wieder ein, Neues zu testen: Wenn es der Mehrheit schmeckt, nimmt der Chef es ins Programm auf. So wie die Bratwürstchen, die es unter anderem mit Pfeffer oder Fenchel gibt, oder die luftgetrocknete Rindswurst mit Rucola. Die wird besonders gern als Belag für die Brötchen gewählt, die man neuerdings zubereitet. Ein kalabresischer Bäcker aus Stuttgart liefert sie jeden Morgen an. Der Renner sind „Paulini alle Piastra“ – verschiedene Brötchenarten mit Belag nach Wunsch, die im Grill gepresst und heiß verspeist werden. „Wie in Italien“, schwärmt eine Stammkundin, „bei Forgione mache im immer einen kleinen Urlaub.“ Und freut sich über das Amaretto-Teilchen, das der Chef ihr in die Hand drückt. Sie parliert ein bisschen auf Italiano – sehr zur Freude der Forgiones. Ob jemand die Sprache gut spricht oder nur ein paar Urlaubsfetzen einbringt – „es macht einfach Spaß!“, lacht Vincenzo.

Taxifahrer, Handwerker, Ärzte, Anwälte, Nachbarn vom Reisebüro oder Copy-Shop – man kenn sich und macht gern ein kurzes Päuschen. Aber auch viele italienische Dialekte sind zu hören, treffen sich doch die Landsleute der Forgiones gern auf einen Espresso. Den braut Vincenzo übrgens in seiner alten Faema-Maschine, Baujahr 1966. Aus den vielen Kaffeesorten, die er verkauft, hat er eine Spezialmischung aus Robusta und Arabica zusammengemixt. „Die schmeckt mir am besten“, sagt er und freut sich, damit auch den Geschmack der Kundschaft getroffen zu haben. „Wir arbeiten zusammen, sind wie eine Familie“, erklärt er seine Philosophie. Und dazu gehört auch, dass er bei der Rechnung öfter abrundet – und die Kunden auch mal Trinkgeld geben.

Einer wacht über allem: Zwischen Wein und Dolci steht eine kleine Bronzebüste von Pater Pio, dem Kapuzinermönch aus Apulien, der 2002 heilig gesprochen wurde. Auch er war ein Forgione.

Forgione - Italienische Feinkost · Bismarckring 11 · 65183 Wiesbaden · Telefon 0611 37 85 85 · E-Mail senden